Frederick Brütting: „Aalen als Raum für Jugendliche“

Die Stadt muss ein Ort sein, in dem Jugendliche sich zuhause fühlen und als ein wichtiger Teil der Gesellschaft anerkannt werden.

Wenn es darum geht, eine Stadt als einen positiven Lebensraum für Jugendliche zu gestalten, sollte man die Jugendlichen selbst fragen, was ihnen wichtig ist und sie an der Umsetzung von Projekten aktiv beteiligen. Jugendarbeit ist in erster Linie Arbeit mit den Jugendlichen – aber auch für sie. Sie brauchen FürsprecherInnen in der Öffentlichkeit, da sie als Altersgruppe in den Gremien wie dem Gemeinderat immer unterrepräsentiert sein werden. Ihr Fürsprecher zu sein, ist auch die Aufgabe eines Oberbürgermeisters.
Wir müssen eine Stadt so organisieren, dass Jugendliche Räume haben. Freiräume, um Dinge selbst zu verändern. Wie Erwachsene auch, wollen sie die Konsequenz des eigenen Handelns sehen. Veränderungen in der eigenen Umwelt herbeiführen. Wenn man das ermöglicht, gehen Jugendliche auch pfleglicher und besser mit den Dingen und Einrichtungen der Gemeinschaft um.
Insbesondere nach der Pandemie braucht es wieder mehr Orte für Jugendliche, an denen sie sich treffen dürfen. Das sind in Aalen auf der einen Seite die sehr gut geführten Jugendtreffs. Aber es braucht noch mehr öffentliche Orte, an denen Jugendliche zusammenkommen können. Zum Beispiel zum Basketball, Fußballspielen, Skaten, zum Tanzen oder um Musik zu machen. Eine große Bereicherung wäre eine Calisthenics-Anlage in der Stadt, zum Training unter freiem Himmel. Die Skateszene in Aalen wächst wieder. Der Skateplatz braucht deshalb mehr Platz, weitere Obstacles, eine Halfpipe und eine teilweise Überdachung.
Eine Stadt muss für Jugendliche ein Lernort für Demokratie sein. Dazu gehört auch eine feste und kontinuierliche Form der Jugendbeteiligung, bei der Jugendliche auch wirklich mitbestimmen können – Mit einem eigenen Budget, Rede- und Antragsrecht im Gemeinderat sowie einer hauptamtlichen Unterstützung. Das gilt für die Gesamtstadt, aber auch für die Teilorte. Ein Achterrat, ein Jugendgemeinderat oder sogar ein Jugendorschaftsrat können hier gute Formen einer Beteiligung sein. Der Stadtjugendring muss weiter seinen festen Platz in der Aalener Jugendarbeit haben.
Das kreative Potential von Jugendlichen ist, wenn es sich richtig entfalten kann, eine große Bereicherung für eine Stadt. In der Musik, im Sport oder in der Kultur kann das einen Ort nach vorne bringen, vielfältiger und spannender machen. Dafür brauchen Jugendliche Anerkennung für ihre Leistungen und ein Umfeld, in dem auch Ausprobieren und Fehler möglich sind. Die Einrichtungen müssen deshalb so organisiert sein, dass sie sich an verschiedene Alters- und Erfahrungsstufen richten und unabhängig vom Einkommen der Eltern sind. Das gilt auch für die städtischen Bäder.
Es liegt auch im Interesse der Erwachsenen, dass Jugendliche in Aalen feste Wurzeln schlagen können. Wer eine positive Beziehung zur Stadt entwickelt, bleibt zum Studium hier oder kommt danach wieder eher zurück. Das hilft dem Zusammenhalt in den Familien und der Nachwuchsgewinnung in Unternehmen, genauso wie in den Vereinen.
Die Jugendarbeit in Vereinen ist enorm wichtig. Vereine schaffen eine soziale Gemeinschaft und ein sinnvolles Freizeitangebot. Hier kann man früh Verantwortung als ÜbungsleiterIn oder GruppenleiterIn übernehmen und das Ehrenamt kennenlernen. Jugendliche können sich dort frei entfalten und lernen in der Gemeinschaft Demokratie zu leben. Insbesondere die Jugendarbeit in den Vereinen muss deswegen von der Stadt gefördert werden.
Frederick Brütting war selbst Jugendvertreter im Sportverein, Übungsleiter und Initiator des Double-A-Festivals für Musik und Jugendbeteiligung in Aalen.